Haltet die Welt an …

28. Juli 2016 Allgemein, Gedanken 2
Haltet die Welt an …

Seit etwas längerer Zeit habt ihr nichts mehr von mir gehört. Das liegt nicht daran, dass ich keine Lust mehr zum Bloggen hatte, sondern schlicht und einfach daran, dass ich so viele andere Dinge um die Ohren hatte. Seit einiger Zeit bereite ich diverse Beiträge vor und hatte auch schon einen Plan, wie ich wieder auf eurer Bildfläche erscheinen wollte. Eigentlich.

Diesen Plan habe ich nach dem vergangenen Wochenende und viel Kopfzerbrechen verworfen. Weil jetzt etwas anderes wichtig ist. Ich verspüre das dringende Bedürfnis meine Meinung zu äußern. Weil ich so wütend bin und ich kein Ventil dafür habe.

 

Wütend bin ich zum Einen über diese schrecklichen Taten, die mittlerweile tagtäglich in den Nachrichten kommen. Leider geht das ganze Elend schon viel zu lange. Neu ist, dass es jetzt vor unserer Haustüre passiert. München – Würzburg – Ansbach: alle drei Taten haben mich (in)direkt betroffen. In München habe ich die letzten vier Jahre gewohnt; mein Freund fährt die Zugstrecke nach Würzburg regelmäßig 2x in der Woche; Ansbach ist meine Heimat und seit einigen Wochen auch wieder mein Wohnort.

Der Schock sitzt tief bei allen von uns. Klar waren wir alle betroffen von den Terroranschlägen die die Welt um uns herum erschüttert haben. Aber wenn es dann direkt vor unserer Haustür angekommen ist, dann ist das doch irgendwie anders. Das alles ist schrecklich, mir fehlen die Worte, denn diese Gräueltaten lassen sich nicht in Worte fassen. Wir zeigen Mitgefühl, halten zusammen und versuchen uns davon nicht unser Leben und unsere Freiheit kaputt machen zu lassen. Das sind wir.

 

Und dann gibt es noch die Anderen: am Montag Abend, nicht mal 24 Stunden nach dem Ansbacher Bombenattentat hat sich eine Gruppe von ca. 40 Hardcore-Rechten in der Stadt versammelt um gegen Asylsuchende zu „demonstrieren“. Ihre Hetzrufe und Parolen, die rechtspopulistische Musik, das alles hat mir einen kalten Schauer über den Rücken gejagt. Wir sind dort zufällig zwei Freunden über den Weg gelaufen, die von der Demo genauso überrascht waren wie wir, und mir war ganz schön mulmig: sieht unser Alltag jetzt so aus?! Werden solche Demos bald auf der Tagesordnung stehen? Ich möchte das nicht. Ich will keine Idioten um mich herum, die ihr rechtes Gedankengut verbreiten, die die Gesellschaft spalten, die einfach nur ein kaputtes Weltbild haben. Vor diesen Menschen habe ich Angst. Nicht vor den Hilfesuchenden. Denn vor was sind sie denn geflohen? GENAU. Vor diesem Terror der jetzt auch Europa erreicht hat. Sie haben unvorstellbare Strapazen auf sich genommen um sich und ihre Liebsten in Sicherheit zu bringen. Ich denke keiner von uns kann sich vorstellen was es bedeutet in einem Kriegsgebiet wie Syrien zu leben. Jeden Tag werden Menschen von Bomben in den Tod gerissen. Die Hälfte der Leute die man einmal kannte gibt es nicht mehr. Ganze Familien wurden ausradiert. Ist es da nicht legitim, alles zu versuchen um sich und seine Familie zu schützen?

 

Was mich außerdem gerade sehr auf die Palme bringt, sind die Kommentare von jedem Hinz und Kunz in den Social Media Plattformen. Ich finde es erschreckend und schockierend, was für Gedanken manche Leute hegen. Was sich die meisten von ihnen niemals trauen würden einem anderen Menschen persönlich ins Gesicht zu sagen wird hier gnadenlos gepostet. Mir dreht sich wirklich der Magen um wenn ich auf Facebook lese, dass die Rechtsradikalen die demonstriert haben „nur besorgte Bürger sind, die endlich mal den Mumm haben und ihren Mund aufmachen um zu sagen was sich sonst keiner traut – sonst wird man ja gleich als Nazi abgestempelt!“. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Ich bin einfach nur fassungslos von so viel geballter Ignoranz und Dummheit. Sind denn die Leute so abgestumpft, dass sie einen Rechten nicht mal mehr erkennen, selbst wenn er ihnen direkt vor die Nase gehalten wird? Oder ist es ihnen schlichtweg egal?

Als eine kleine Gruppe Flüchtlinge sich am Dienstag Nachmittag in der Ansbacher Innenstadt versammelte und gegen das Attentat demonstrierte und sich klar von dieser Einzeltat distanzierte, ging es wieder rund in diesem Internet. Es wurde sich über falsche Groß- und Kleinschreibung auf den Schildern amüsiert (wohlgemerkt hat der ein oder andere Post-Verfasser anscheinend als Muttersprachler noch mehr Probleme als ein Ausländer) und den Leuten unterstellt „die müssen das jetzt ja sagen aber tun sicher nur so und bauen vielleicht schon selber schon heimlich die nächste Bombe“ – geht’s noch, ihr Deppen????

 

Selbstverständlich gibt es auch unter den Asylsuchenden schwarze Schafe: Kriminelle, psychisch Kranke die sich selbst und andere gefährden, und potenzielle Attentäter, die nicht auf der Suche nach Frieden sind – sie bringen das genaue Gegenteil mit zu uns. Ja, diese Leute gibt es. Aber die gibt es auch unter uns Deutschen. Die gibt es in jeder Nationalität, mit jeder Hautfarbe, mit jeglicher Religion. Nur leider verschließen diverse Gruppierungen ihre Augen vor dieser Tatsache. Auch ist es völlig gerechtfertigt, über politische Maßnahmen zu sprechen, Änderungen, Verbesserungen, Verschärfungen. Jeder Einzelne der an kriminellen Handlungen beteiligt ist, muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Denn es gibt Regeln und Gesetze an die sich eben gehalten werden muss. Dabei spielt es für mich keine Rolle woher jemand kommt. Es darf und soll auch jeder seine Meinung frei äußern können – nur hilft ein „alle Asylanten“ raus so überhaupt gar nicht weiter. Demokratie bedeutet auch, dass jeder seine eigene Meinung haben darf und diese auch respektiert werden muss, sei diese noch so unterschiedlich. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Doch jeder sollte versuchen sich seine eigene Meinung zu bilden. Probleme oder Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und nicht das dumme Geschwätz von anderen einfach nur nachplappern.

 

Sind wir mal ehrlich: wir haben alle ein gutes Leben! Selbstverständlich hat jeder ein eigenes Päckchen zu tragen, es gibt natürlich schwere Schicksale – das weiß ich. Aber unsere Probleme sind nicht mit denen in Kriegsländern zu vergleichen.

Und nach allem was unserer schönen Welt in der letzten Zeit zugestoßen ist, sollten wir trotzdem an das Gute im Menschen glauben. Uns unser Leben, unsere Freiheiten und Rechte nicht von Extremismus – in jeglicher Form – wegnehmen lassen. Wir müssen wieder näher zusammenrücken anstatt weiter auseinander zu driften. Viel Zeit mit den Menschen und Dingen verbringen, die wir lieben. Für glückliche Momente sorgen. Lebensfreude versprühen und optimistisch bleiben. Sich nicht unterkriegen lassen. Auch wenn das vielleicht etwas pathetisch klingt, aber wir müssen uns mit aller Kraft die Welt erhalten, in der wir leben wollen! Also helfen wir alle zusammen und leisten unseren kleinen oder großen Beitrag.


2 thoughts on “Haltet die Welt an …”

  • 1
    Die Müsch am 29. Juli 2016 Antworten

    Liebe <3

  • 2
    Franzi am 29. Juli 2016 Antworten

    Danke dafür !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.