Marokko – Teil 1

15. März 2016 Wanderlust 0
Marokko – Teil 1

Wenn es um das Thema Reisen geht, hat wohl jeder seine persönliche To-do-Liste die nach Prioritäten geordnet ist. So eine habe ich natürlich auch. Sie ist zugegebenermaßen seeeehr lang, aber man braucht ja auch genügend Ziele im Leben auf die man hinarbeiten kann!

Ein Land, das mich seit langer Zeit sehr fasziniert und auf meiner Liste ganz weit oben stand, ist Marokko. Ich wollte mich selbst von den tollen Farben, dem wuseligen Treiben und der schönen Landschaft überzeugen. Deshalb kam es auch nicht für mich in Frage nur einen Ort zu besuchen, nein, gleich eine Rundreise musste es sein. Im Internet wurde ein bisschen recherchiert aber ich blieb bei einem Anbieter hängen, mit dem ich schon sehr tolle Erfahrungen in Costa Rica gemacht hatte: G Adventures Die Entscheidung war dann fix getroffen und im Herbst 2015 war es dann soweit. Von München ging es los nach Casablanca (dank Upgrade sogar in der Business Class).

Am Flughafen angekommen erwartete uns gleich das erste Abenteuer: wie kommen wir zum Hotel? Auf den Zug hätten wir eine Stunde warten müssen, daher entschlossen wir uns für ein Taxi. Natürlich informierten wir uns am Info-Point was die Fahrt ungefähr kosten würde – wir sind ja keine naiven Touris. Das dachten wir zu diesem Zeitpunkt zumindest. Ein Fahrer war schnell gefunden, dass es etwas mehr kosten sollte als wir anfangs dachten war auch noch okay. Wir ließen uns in die Sitze fallen und los ging es. Ich liebe ja diese erste Fahrt vom Flughafen in die Stadt. Wenn man noch alles vor sich liegen hat, seine Wünsche und Erwartungen treiben durch den Kopf, man lässt den ersten Eindruck, die ersten Gerüche auf einen wirken. Dann fühle ich mich so richtig angekommen in dem neuen Abenteuer, dass auf einen wartet.

Diese Fahr wurde aber jäh unterbrochen als wir mitten im Nirgendwo von der Autobahn abfuhren und an einer Tankstelle anhielten. Dort machte uns der Fahrer klar, dass der Preis gerade nochmal gestiegen ist und wir die Hälfte auch jetzt sofort bezahlen müssen. Mein Freund und ich sahen uns etwas ratlos an, aber kamen dann der Aufforderung nach. Es blieb uns ja quasi auch nichts anderes übrig. Es war also wirklich eine komische Fahrt mit etwas mulmigen Gefühlen aber der Mann brachte uns sicher ans Ziel. Über die Methoden kann man zwar auch streiten aber gut, was soll’s. So oder so – der Trip konnte starten!

 

Da es schon recht spät war, hatten wir leider keine Zeit die Hassan II Moschee zu besichtigen, das solltet ihr aber unbedingt einplanen wenn es geht. Sie soll atemberaubend sein (so sagt man :)) Abends stand das erste Treffen unserer Gruppe mit gemeinsamen Dinner an. Es wurde der Reiseablauf besprochen, ein paar allgemeine Dinge und speziell der nächste Tag: es stand eine Fahrt nach Fès an.

Unsere Truppe bestand aus 14 Männern und Frauen im Alter von 20 – 60 und es waren alle möglichen Nationalitäten vertreten: Australier, Neuseeländer, Kanadier, Spanier, Indonesier, Amerikaner – und wir als einzige Deutschen. Unser Guide hieß Yassine, ein Marokkaner der in Marrakesch lebt (später stellte sich lustigerweise heraus, dass er, wenn er nicht gerade als Tourguide fungiert, einer der bekanntesten DJs des Landes ist). Der erste Eindruck war durchweg positiv – und das sollte sich in den gemeinsamen acht Tagen auch nur bestätigen.

 

Früh am Morgen ging unsere Tour nach Fès los. Wir hatten für die komplette Zeit einen Fahrer und einen kleinen Bus, der uns durch die Gegend chauffierte. Wir krabbelten also alle noch ein bisschen verschlafen in unsere Sitze und genossen trotz schlechten Wetters die Fahrt. Unser Endziel für heute war Fès, auf dem Weg dorthin gab es aber noch drei Zwischenstopps. Der Erste waren die alten römischen Ruinen von Volubilis. Diese zählen zu den am besten erhaltenen Ruinen in Nordafrika sowie zum UNESCO Weltkulturerbe. Leider regnete es in Strömen, deswegen war unsere geführte Tour nicht so ausführlich. Aber die Szenerie war trotzdem toll, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall!

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Durchnässt und verfroren wie wir waren, freuten wir uns sehr dass unser nächster Halt im Trockenen sein würde. Es ging zum Lunch. Aber nicht zu irgendeinem. Nein, wir waren in einer Schule zu Gast, in der Frauen anderen Frauen kochen, nähen und das Unterrichten beibringen um sich selbst ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das Angebot ist vor allem an alleinstehende Frauen gerichtet, die keine Schul- oder Ausbildung erhalten haben und ohne dieses Programm keine Arbeit finden würden. Wir freuten uns schon sehr auf das Essen und wurden nicht enttäsucht: Vorspeisen waren Salate, Auberginenpaste, Oliven und selbstgebackenes Brot. Danach gab es Hühnchen mit Oliven und Zitrone, traditioinell gekocht in der Tajine – einfach alles köstlich! Zum krönenden Abschluss haben uns die Damen bei Früchten und Keksen noch etwas Arabisch beigebracht – was natürlich auch für den ein oder anderen Lacher gesorgt hat. Da unser Zeitplan sehr straff war, mussten wir danach auch schon bald weiter. Aber diese zwei Stunden sind mir immer noch sehr lebhaft im Gedächtnis, es hat mich so beeindruckt wie glücklich die Frauen gewirkt haben und – zu Recht – sehr stolz auf sich und das Projekt waren.

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Mit vollen Bäuchen und vollen Herzen fuhren wir weiter nach Meknès (ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe und neben Fès, Marrakesch und Rabat eine der vier Königsstädte Marokkos). Dort nahm uns gleich unser Tourguide in Beschlag und brachte uns gleich in die großen Speicherbauten und Stallungen des Heri es-Souani. Diese wurden von Sultan Moulay Ismail erbaut, dessen Grab wir anschließend besuchten. Das Mausoleum ist wirklich sehenswert! Unser letzter Punkt auf der To-do-Liste war das berühmte Stadttor Bab Mansour und die dazugehörigen Souks (so werden die Straßenmärkte genannt). Voller neuer Eindrücke tuckerte unser kleiner Bus weiter nach Fès, wo wir die nächsten beiden Nächte verweilen würde. Das köstliche Mittagessen war schon viel zu lange her, weshalb uns quasi der erste Weg nach unserer Ankunft im Hotel zu den umliegenden Straßencafés trieb. Ich behaupte ja immer, ich kann Französisch sprechen. Die Wahrheit ist, ich KONNTE es mal. Die Zeiten sind schon lange vorbei, das hat mir dieser Urlaub wieder schmerzhaft vor Augen geführt. Dort beherrschen alle perfektes Französisch, Englisch ist leider nicht so ganz verbreitet. Also saßen wir in einem schönen kleinen Imbiss, konnten weder die arabische Karte entziffern noch uns mit den Kellnern verständigen. Also haben wir nach Bildern ausgewählt. Ich weiß zwar bis heute nicht, was wir da gegessen haben, aber es war auf jeden Fall mega lecker!

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Die Stallungen und Speicherbauten

 

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Tag 3: Fés

Nach dem Frühstück, was eigentlich immer aus Brot, Marmelade, süßen Teilchen, seehr starkem Kaffee und etwas Obst bestand, ging es gleich los in die Medina (damit ist die Altstadt gemeint), die tatsächlich zu einer der größten weltweit zählt. Wir mussten auch anfangs versprechen immer bei der Gruppe zu bleiben und auf alle anderen Acht zu geben. Das hat uns doch etwas verwundert, nach fünf Minuten in der Medina war uns sofort klar warum. Eine Sekunde zu lange an einem Stand geguckt, schon sind wundersamerweise alle anderen um einen herum verschwunden oder man wurde mit einer Menschenmenge weitergetrieben. Die Gassen sind so schmal und vollbepackt – von Menschen, Tieren, Ständen – man kann es sich aus der Ferne gar nicht vorstellen. Naja nach unseren Schwüren und ein paar erklärenden Worten von Yassine holten wir unseren Local Guide ab und los ging es.

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Die Medina

 

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Die Tore werden mit Zitronenhälften auf Hochglanz poliert

 

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Es gibt verschiedene eindrucksvolle Torbauten, den Königspalast und das jüdische Viertel (Mellah), nicht zu vergessen die Ville Nouvelle. Längere Zeit verbrachten wir in der Qarawiyin-Moschee, die historisch und politisch bedeutendste Moschee Marokkos. Wir durften zudem hinter die Kulissen einer kleinen Keramikfabrik, eines Gerbers und einer Weberei schauen. Letzteres ist mir nach wie vor in sehr guter Erinnerung weil wir alle in die traditionellen marokkanischen Gewänder, Dschallabija, schlüpfen durften. Die Star Wars-Fans waren im 7. Himmel – wir sahen alle aus wie kleine Jedis. 😀

Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung und streiften ein bisschen durch die Souks, feilschten, tranken Minztee in der Sonne und genossen die Atmosphäre.

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Men at work…

 

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Im Souk

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Abends ging es zu einem gemeinsamen Dinner, wo es köstliche Hühnchen-Pastilla gab. Darunter versteht man quasi eine Art Pie, bei uns würde man zur Herstellung wahrscheinlich Filo-Teig nehmen. Gefüllt mit Hühnchen und vielen Gewürzen. Schmeckt auch ein bisschen süßlich. Ich kann es kaum beschreiben. Allgemein hat mich die marokkanische Küche in Verzückung gebracht. Viel Gemüße, viele Gewürze und Kombinationen die ich bisher nicht kannte (ich bin immer noch auf der Suche nach einem tollen Kochbuch um das Urlaubsfeeling nach Hause zu bringen – also wenn ihr einen Tipp habt, bitte her damit!).

Anschließend wollten wir noch auf einen Absacker in unsere Hotel-Bar. Diese war wohl auch ganz angesagt im Rest der Stadt, wir ergatterten noch den letzten freien Tisch. Wir sahen uns um und… nichts als Männer! Zwei vereinzelte Frauen – und wir – waren in der Bar, die sicher um die 100 Leute fasst. Irgendwie eine komische Situation. Wir hatten dann eine Unterhaltung mit Yassine darüber, der uns versicherte dass es nicht daran liegt, dass die Frau hinter den Herd gehört und nichts alleine unternehmen darf. Sondern die Marokkaner trennen sich einfach oft bei der Abendgestaltung. Die Damen sind stundenlang unter sich im Hammam, die Männer schauen halt Fußball mit Kumpels in einer Bar. Also auch nicht anders als bei uns…

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Auf unseren Fahrten über Stock und Stein haben wir auch eine Affenhorde getroffen… 🙂

 

Damit wären wir bei der Hälfte unseres Marokko-Abenteuers angekommen. Da ich noch so viel zu erzählen habe, mache ich an dieser Stelle einen Cut und sage: to be continued… 🙂 Der zweite Teil folgt!

 


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