Morgens um sechs in Deutschland …

30. April 2017 Allgemein, Gedanken 0
Morgens um sechs in Deutschland …

6 Uhr morgens. Der Wecker hat schon beim ersten Mal so ultra laut und schrill geklingelt. Das dritte Mal nervt nur umso mehr. Um den ganzen die Krone aufzusetzen scheint mir auch noch direkt die Sonne aufs Gesicht. Unmöglich mich nochmal umzudrehen. Toll, ich Idiot hatte vergessen die Rollläden herunter zu lassen. Ich rolle mich mit großer Kraftanstrengung aus dem Bett. Der Gedanke „Arbeit nervt total“ schießt mir sofort durch den Kopf. Ich tapse in die Küche und mache die Kaffeemaschine startklar. Entnervt stelle ich fest, dass nur noch ein Tropfen Milch da ist. Natürlich weit und breit keine neue Tüte. Boah, wie ätzend ist das denn. Wenn der Tag schon so losgeht… Das Spiegelbild gefällt mir auch ganz und gar nicht: die Haut sieht fahl aus und die Haare machen das, was sie wollen. Selbst Schminke hilft da nicht. Besser nicht mehr in den Spiegel schauen heute. Auf dem Fußweg ins Büro werde ich ein paar Mal fast angefahren. Der Verkehr ist eine Zumutung. Diese unfähigen Autofahrer müssen doch auf mich als Fußgänger besonders aufpassen. Die können doch alle gar nichts! Wütend und leise in mich hinein fluchend komme ich beim Bäcker an um mir endlich den heiß ersehnten Kaffee zu gönnen. War ja klar: eine ewig lange Schlange und ich bin sowieso schon so spät dran. Außerdem ist mir die Verkäuferin viel zu gut gelaunt, das hält doch kein Mensch aus. Muffig lehne ich ein Stückchen Nussschnecke zum Probieren ab und ziehe mit meinem Coffee to go von Dannen. Natürlich schmeckt er nicht wirklich angemessen für den saftigen Preis und viel zu heiß ist er auch noch. Super Start in den Tag.

Im Büro angekommen jagt ein Meeting das andere. Voran geht dank diesen Dampfplauderern – auch Kollegen genannt – rein gar nichts. Ich bin mit meinen Gedanken am Schimpfen, anders hält man das ja auch nicht aus. Nach gefühlten drei Stunden darf ich endlich zurück an meinen Schreibtisch. Länger hätte ich das  nicht ausgehalten. Aber der nächste Schock: 20 Mails haben sich angestaut, die alle beantwortet werden müssen. Mein Gott, können die sich nicht alle selber helfen?! Wie ätzend dieser Tag doch heute ist. Mittags verzehre ich einen faden Salat (wo hat der Typ denn bitte kochen gelernt??? 5,- € für so einen Schrott? Unfasslich) und schiele neidisch auf den Pasta-Teller meines Gegenübers. Was Ordentliches wäre mir jetzt auch echt lieber als so ein paar Blättchen. Buh! Missmutig kehre ich an den Schreibtisch zurück. Eigentlich sollte ich mit einer Kollegin eine Präsentation vorbereiten, aber die kann sowieso nix. Dann mache ich das Ganze lieber gleich selbst, das erspart mir sicher einigen Ärger im Nachhinein. Immer muss man alles selber machen. Unfähig! Alle miteinander!

Pünktlich zum Feierabend muss ich die Präsi noch fertigstellen und komme erst mit einer Stunde Verspätung raus. Super. So habe ich mir das echt nicht vorgestellt. Und danken wird es einem natürlich auch keiner. Jetzt freue ich mich aber auf einen entspannten Abend mit Netflix und meiner Lieblings-TK-Pizza, die ich mir noch schnell aus dem Supermarkt holen will. Im Laden angekommen sind meine Pläne dahin. Ausverkauft. Das kann doch echt nicht wahr sein. Wäre es möglich, dass mein Kopf wie im Comic vor Wut zu rauchen beginnt, wäre es jetzt soweit. Unverrichteter Dinge wieder raus, irgendwas wird schon noch im Kühlschrank sein.

Zuhause angekommen lasse ich mich erstmal erschöpft auf das Sofa plumpsen und freue mich schon auf den entspannten Abend, den ich mir mehr als verdient habe. „Leider kann die von Ihnen gewünschte Sendung nicht angezeigt werden. Bitte versuchen Sie es später erneut“ – aaarrgghhhh! Ich hasse die Technik und Netflix erst recht! Die ganze Welt hat sich heute gegen mich verschworen. Wütend und mit knurrendem Magen (jetzt habe ich auch keinen Bock mehr was zu kochen) verkrieche ich mich ins Bett und mein letzter Gedanke bevor ich einschlummere ist: „Hoffentlich wird der Tag morgen besser!“

 

 

6 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Da ich gestern vergessen habe, die Rollläden herunter zu lassen kitzeln mich die ersten warmen Sonnenstrahlen im Gesicht wach. Herrlich! Ich krabble beschwingt aus dem Bett und steuere die Kaffeemaschine an. Hmm, keine Milch mehr da. Schade. Aber dann lege ich eben einen Halt beim Bäcker ein, der liegt eh auf dem Weg zur Arbeit. Ab ins Badezimmer. Naja, der Anblick im Spiegel hat mich schon mal fröhlicher gestimmt. Aber auch das lässt sich regeln: die Haare hoch zu einem Dutt, so sind sie schnell gebändigt. Da meine Haut etwas fahl aussieht, beschließe ich meinen tollen neuen roten Lippenstift aufzulegen. Das lenkt definitiv ab. Das Endergebnis sieht gar nicht so schlecht aus, ich bin zufrieden. Schnell los, langsam wird es etwas knapp. Heute ist auf dem Fußweg etwas Vorsicht geboten, ein Autofahrer hätte mich fast übersehen. Zum Glück war ich aufmerksam genug. Aber ist ja nur menschlich, dass man mal den Überblick verliert. Der Bäcker empfängt mich mit einer Warteschlange. Das macht mir aber nichts aus, da ich mir die Zeit mit dem Naschen von ein paar Stückchen einer Nussschnecke vertreibe. Hat mir die nette Verkäuferin angeboten. Super lecker. Mit dem Kaffee in der Hand schlendere ich entspannt ins Büro.

Es geht gleich los mit einem langen Meeting. Das dreht sich leider ab einem gewissen Punkt nur im Kreis. Deshalb ergreife ich das Wort und versuche mit konstruktiven Vorschlägen wieder etwas Zugkraft in die Debatte zu bringen. Super, ging dann doch schneller als erwartet und das Ergebnis ist auch passabel. Am Schreibtisch angekommen beantworte ich kurz noch ein paar Mails, der Rest ist nicht so dringend und kann bis nach der Mittagspause warten. Heute gibt es für mich nur einen Salat. Die Pasta meines Kollegen hätte mir zwar auch geschmeckt, aber dafür gibt es heute Abend meine Lieblingspizza. Lecker. Dafür nehme ich gerne die gesunde Mittagsvariante in Kauf. Außerdem entgehe ich so garantiert dem „Food-Koma“, das mich nachmittags ereilt hätte. Da muss ich nämlich mit einer Kollegin zusammen eine Präsentation vorbereiten. Ich plane dafür gleich ein bisschen mehr Zeit ein, da sie noch nicht so ganz im Thema eingearbeitet ist. Macht aber nix, wir kriegen das ziemlich gut zusammen hin und schaffen es auch fast pünktlich in den Feierabend.

Auf in den Supermarkt, die Pizza wartet auf mich. Hm, nur leider ist meine Lieblingssorte ausverkauft. Egal, dann probiere ich halt mal was Neues aus.

Zuhause angekommen lasse ich mich erstmal erschöpft auf das Sofa plumpsen und freue mich schon auf den entspannten Abend, den ich mir mehr als verdient habe. „Leider kann die von Ihnen gewünschte Sendung nicht angezeigt werden. Bitte versuchen Sie es später erneut“ – oh je, diese Technik. Aber kein Problem, dann gibt es eben eine Planänderung. Ich habe vor einiger Zeit ein Buch angefangen und es seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr in die Hand genommen – das wird sich nun ändern.

Nachdem ich meine Pizza verspeist (super lecker) und etwas geschmökert habe, geht es ab ins Bett und mein letzter Gedanke bevor ich einschlummere ist: „Ach, was für ein schöner Tag!“


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